v.li. Lothar Strauch, Elisabeth Stakemeier, Nina Schweitzer
30.08.2026 Erwitter BG setzt auf Sachpolitik statt „Einheitssoße Quelle: Der Patriot U.Dietz
Erwitte – Politik beim Eisbecher macht die Bürgergemeinschaft (BG) sicher nicht jeden Tag. Beim Sommergespräch mit unserer Zeitung war aber genau das der Fall: Im Eiscafé Laurentius beantworteten Elisabeth Stakemeier, Nina Schweitzer und Lothar Strauch unsere Fragen.
Welche Schulnote würden Sie der Verwaltung geben und warum?
„Das fällt schwer“, sagt Fraktionschefin Elisabeth Stakemeier. „Die Verwaltung ist keine Schülerschaft und wir sind keine Lehrer.“ Am Ende würde die BG aber wohl bei einer Eins bis Zwei herauskommen. Die Mitarbeiter im Rathaus reagierten zügig, hätten hohe Fördermittel akquiriert und lieferten gute Rats- und Ausschussunterlagen.
Und wie sieht es mit dem Bürgermeister aus?
„Der bekommt die gleiche Note“, so Stakemeier. Sie schreibt Hendrik Henneböhl Kompetenz, Motivation und Engagement zu. „Die Zusammenarbeit läuft prima.“
Was ist Ihrer Ansicht nach das wichtigste Projekt in Erwitte?
Davon gebe es viele, meint Lothar Strauch, Vize-Vorsitzender des politischen Vereins. Wenn er sich für zwei entscheiden müsste, wären das eine Unterführung für Fahrradfahrer und Fußgänger am Glasmerweg sowie die Sanierung des Schlossbads. „Wir hoffen, dass es Zuschüsse gibt.“
Was war bislang für Sie die größte (politische) Enttäuschung?
Dass es mit den Umgehungsstraßen nicht sichtbar weitergehe, erklärt Strauch. Als die Deges Herrin des Verfahrens wurde „hatten alle Hoffnung“, so das Vorstandsmitglied. Schließlich sei das Ganze mit „viel Tamtam“ angekündigt worden. Jetzt laute das Motto aber wieder: „Still ruht der See“ – auch wenn die Bürgergemeinschaft in diesem Zusammenhang ausdrücklich keine Schuldzuweisungen machen will.

Weniger Verkehr im Erwitter Ortskern ist nicht in Sicht: Dass es mit den Umgehungsstraßen nicht weitergehe, ist für die BG eine der größten Enttäuschungen. – Archivfoto: Ulrike Dietz
Mit welcher Fraktion funktioniert die Zusammenarbeit am besten?
„Die Zusammenarbeit funktioniert mit allen gut“, so Elisabeth Stakemeier. Es gebe einen „guten und respektvollen Umgang, aber längst keine Einheitssoße“, betont die Fraktionschefin. Oberste Prämisse sei, sachorientiert zu beraten und dann Entscheidungen zu treffen.
Was ist das nervigste Dauerthema?
Die Ortsteile seien in Bezug auf den ÖPNV nicht zufriedenstellend angebunden, meint Stakemeier. Das gelte für Verbindungen in die Kernstadt und auch darüber hinaus. Die BG möchte deshalb die Verkehrszeiten von Helmo erweitern und das Buchungssystem vereinfachen – und den On-Demand-Verkehr durch einen festen Fahrplan ergänzen.
Wo braucht die Kommune mehr Mut?
Ziel sollte sein, das Haushaltsdefizit zu reduzieren, erklärt Ratsmitglied Nina Schweitzer. Dazu brauche es den Mut, alle Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen. Ein Konsolidierungssausschuss könne dabei helfen, Einsparpotenziale zu erkennen. Dabei müssten Pflichtausgaben Vorrang vor freiwilligen haben, ergänzt Lothar Strauch. Wo genau die Kommune die Gürtel enger schnallen könnte, wollte die BG aber nicht konkretisieren und verwies erneut auf einen Konsolidierungsausschuss.
Wo wird unnötig Geld ausgegeben?
In Erwitte werde „kein Geld zum Fenster rausgeschmissen“, unterstreicht Lothar Strauch.
Wo muss sofort investiert werden?
In die Verkehrsberuhigung, ist der Vize-Vereinsvorsitzende überzeugt. Vor allem im Bereich Alter Hellweg und Jägerpfad ist in seinen Augen eine „unechte Einbahnstraße“ sinnvoll, um zu verhindern, dass Autofahrer den Bereich als Schleichweg nutzen.
Was wäre Ihr Wunsch an die Bürger?
Es gebe starke Vereine in allen Ortsteilen, hebt Nina Schweitzer hervor. Sie animiere jeden Bürger, „sich da einzubringen“. Und zwar auch, was Vorstandsposten angeht, denn die seien immer schwieriger zu besetzen. Auch die BG selbst stehe allen offen, zum Beispiel sei jede Fraktionssitzung öffentlich.



