Stoßen mit dem „BG-Cocktail“ an (Rezept siehe Facebook)

von links oben Karl Dietz, Theo Knoop, Lothar Strauch,

Brigitte Strauch, Martina Tägder  (Foto Theis)

Erwitte – Aufbruchstimmung für Erwitte erwartet die Bürgergemeinschaft (BG) Erwitte in der künftigen Ratsarbeit mit neuem Bürgermeister und einem ebenfalls neu formierten Stadtrat. Als Chef im Rathaus möchten die Mitglieder natürlich am liebsten ihren Kandidaten Hendrik Henneböhl sehen, der gemeinsam mit CDU und SPD ins Rennen geschickt wird: „Er arbeitet in einer Verwaltung und kann daher Verwaltung“, sagte Fraktionsvorsitzender Lothar Strauch im Sommergespräch. Diese Qualifikation des Sachgebietsleiters Schulverwaltung Berufskollegs beim Kreis Soest sei ein großer Vorteil bei den anstehenden Herausforderungen. Henneböhl stehe für „frischen Wind“ und sei mit seinen 31 Jahren „jung und dynamisch“, ergänzte Ratsherr Karl Dietz. Zusammen mit Kai Günther, den die BG ebenfalls zusammen mit CDU und SPD als Ortsvorsteher unterstützt, sei das die perfekte Kombination, „um die Zukunft in Erwitte neu zu gestalten“.

Was das eigene Wahlziel betrifft, hofft die BG, bei der Kommunalwahl am 13. September wieder ein zweistelliges Ergebnis einzufahren – 2014 reichte es zu 8,6 Prozent. Die große Unbekannte sind die Bündnis 90/Grünen, die sich neu gegründet haben und erstmals bei der Wahl antreten: „Wir sind die besseren Grünen“, sagte Karl Dietz selbstbewusst und mit Blick darauf, dass sich auch die BG immer für Themen wie den Umweltschutz einsetze. Strauch begrüßt es allerdings, dass eine neue Kraft mit Personen hinzukommt, die sich in der Politik engagiert: „Wir werden sicher auch an der ein oder anderen Stelle zusammenarbeiten.“ BG und Grüne unterscheide allerdings, „dass wir den Umwelt- und Klimaschutz von lokaler Ebene betrachten und nicht wie die Grünen rein ideologisch sehen.“ Wenn Erwitte klimaneutral werden soll, müsste etwa die Zementindustrie abgeschafft werden. Und das ginge nicht. „Klimaneutralität kann das Ziel für den Kreis Soest sein, aber nicht für Erwitte.“
Das sind einige der wichtigsten Themen der BG:

Stadtplanung
„Das Kardinalthema für die Kernstadt“, formulierte es Lothar Strauch. „Vom Erwitter Bruch bis zum Hellweg muss etwas passieren.“ Die Entwicklung, dass aufgrund des mangelhaften Erscheinungsbildes die Geschäfte am Hellweg schließen, müsse gestoppt werden. Die BG setzt auf ein Gesamtkonzept, das auch den Verkehr, ÖPNV und die Parkplätze miteinbezieht.

Ortsumgehung
Die Zukunft des Hellwegs hänge eng mit der geplanten Umgehung zusammen, so Strauch: „Aber hier herrscht wieder Stillstand.“ Die heimischen Landtagsabgeordneten – Anm. d. Red. Christof Rasche (FDP) und Jörg Blöming (CDU) – hätten einst Rot-Grün in NRW dafür verantwortlich gemacht, dass es nicht weiter geht und seien nun selbst in der Landesregierung. Die neu angestoßene Planung der DEGES mit dem Bürgerdialog sei „irgendwie eingeschlafen“, so Strauch. „Das fördert leider die Politikverdrossenheit und Trostlosigkeit.“

Straßenerneuerung
Die BG habe sich dafür stark gemacht, dass im städtischen Haushalt 2019 100 000 Euro für die Straßensanierung festgeschrieben wurden, erinnert Strauch. „Das Geld wird nur teilweise ausgegeben und die Dinge nicht umgesetzt. Da muss was passieren, denn viele Straßen sind in einem schlechten Zustand“, fordert der Fraktionschef die Verwaltung auf.

Radwegenetz
Genauso vernachlässigt wird aus BG-Sicht das Radwegenetz, „gleichzeitig wollen wir die Leute animieren, mehr mit dem Rad zu fahren“, sagte Ratsmitglied Theo Knoop mit Unverständnis. Immerhin der Radweg zwischen Völlinghausen und Erwitte werde nun gebaut – „aber auch da gab es jahrelange Verzögerungen.“

Bürgerbus
„Noch ist ein Bürgerbus Zukunftsmusik“, stellte Strauch fest. „Aber das Thema muss einmal angestoßen werden“, um eine bessere Anbindung der Ortsteile zu erreichen. Die BG-Vertreter brachten für die Umsetzung eine Kooperation mit dem Verein „Erwitte hilft“ ins Spiel. Zur Finanzierung könnten Fördertöpfe beim Land angezapft werden.

Baugebiete
Für „unausgegoren“, so Strauch, hält die BG das geplante Baugebiet zwischen Erwitte und Bad Westernkotten. „Da wird ein Baugebiet auf die Schnelle entwickelt, um die Umgehung zu verhindern.“ Gleichzeitig seien andere potentielle Flächen zurückgenommen worden. Die Kosten, insbesondere durch die erforderliche Verlagerung des landwirtschaftlichen Betriebes, würden am Ende auf die Grundstückspreise umgelegt. „Von günstigem Bauen kann dann nicht mehr die Rede sein“, kritisierte Knoop die Planungen. Die Verantwortung sieht die BG klar bei der Verwaltung und nicht beim Landwirt. Ebenfalls kein Verständnis haben die Mitglieder für das städtische Vorgehen bei den geplanten vier Bauplätzen an der Fredegrasstraße. Die frühere Waldfläche soll Wohnen weichen. „Das Artenschutz-Gutachten wurde von der Verwaltung einfach umgedichtet. Das kann nicht sein“, klagte Strauch. Und Knoop fügt hinzu: „Der Wille der Anwohner, gegen die Bauplätze und für die Wiederaufforstung, sollte endlich respektiert werden.“

Ehrenamt
Brigitte Strauch wünscht sich einen festen Ansprechpartner für das Ehrenamt im Rathaus, „damit Vereine und Initiativen Unterstützung erhalten und nicht alleine kämpfen müssen“.
Kinderbetreuung
Martina Tägder kandidiert erneut für den Kreistag. Sie will sich insbesondere für die Tagesmütter einsetzen. „Sie brauchen eine größere Lobby in einer Zeit, in der die Kita-Plätze knapp werden.“

Björn Theis
Dieser Artikel wurde von Björn Theis am 28. Juli 2020 18:45 Uhr veröffentlicht.